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Hier finden Sie einige Veröffentlichungen
vorangegangener Ausgaben der "Railway & Tram"- Site:
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Die Reform der ÖBB -
Chaos zum Quadrat
Dass ein Grossbetrieb wie die Bahn
von Zeit zu Zeit
eine Anpassung seiner Firmenstruktur an geänderte Umfeldbedingungen
vorzunehmen hat, ist eine unternehmerische Notwendigkeit. Gleiches gilt für
den dienst- und personalrechtlichen Bereich. Außer Diskussion muss
dabei aber stehen, dass derartige Veränderungen eine grundsätzliche
Verbesserung der Unternehmenssituation zur Folge haben müssen.
Unverantwortlich und erschütternd ist allerdings, was derzeit in diesem
Zusammenhang, aus politischer Taktik, von einigen
Regierungsmitgliedern inszeniert wird. Man schreckt dabei auch nicht
zurück, durch frankierende Propagandaaktionen einen ganzen Berufsstand vor
der Öffentlichkeit medial hinzurichten und die Eisenbahner als die
Sozialparasiten des Landes darzustellen. Dass es in einem Betrieb
mit fast 50 000 Bediensteten negative Einzelfälle gibt, beschränkt sich
nicht nur auf die ÖBB, und dass dienstrechtliche Anachronismen
beseitigt gehören, ist unbestritten.
Leider werden aber unter dem
Schlagwort der
sogenannten „Privilegien der Eisenbahner“ auch Halb- oder Unwahrheiten
verbreitet. Darüber hinaus wird kein Wort darüber verloren, dass
gleichartige „Privilegien“ auch bei den Beamten in Bund, Ländern und
Gemeinden anzutreffen sind. Desgleichen wird vergessen zu
erwähnen, dass mit diesen Privilegien aber auch zahlreiche Nachteile etwa
gegenüber ASVG-Versicherten verbunden sind (zum Beispiel kleinere
Anfangsgehälter, keine Abfertigung, wesentlich höhere
Sozialversicherungs- und Pensionsbeiträge, Pensionssicherungsabzüge, und
so weiter). Gestützt wird diese politische Kampagne zur
generellen Abqualifizierung der Eisenbahner, aber auch der Bahn als
Verkehrsmittel, durch „klassische“ populistische Meinungsbeeinflussung.
So etwa wenn dem Volk kundgetan wird, dass die ÖBB mit 4,1
Milliarden Euro verschuldet sind und dadurch jeder Österreicher mit 580 Euro
pro Jahr belastet wird, egal ob er mit der Bahn fährt oder
nicht. Kein Wort allerdings darüber, dass jeder Österreicher 1050 Euro
im Jahr für den Strassenbau zu zahlen hat, auch wenn er
kein Auto besitzt.
Nach Aussagen des Finanzministers
beträgt der
derzeitige Schuldenstand der ÖBB anqeblich 4,1 Milliarden Euro, Abgesehen
davon, dass dem Finanzminister sogar vom Koalitionspartner
nachgewiesen wurde, dass er mit falschen Zahlen jongliert hat
und die Bundesverschuldung der ÖBB tatsächlich nur 2,8 Milliarden
beträgt, müsste zur Relativierung der von (Finanz-) Minister Grasser
genannten 4,1 Milliarden gesagt werden, dass davon nur 1,3
Milliarden Bundesbeitrag sind, denn 1,1 Milliarden entfallen auf
Infrastrukturinvestitionen (Neubaustrecken), sowie 0,6 Milliarden auf
gemeinwirtschaftliche Leistungen (Schülerfreifahrten) und 1,1 Milliarden
auf Pensionsbeiträge.
Völlig unglaubwürdig werden jedoch
Politiker, wenn sie
Pensionen von Eisenbahnern anprangern, von denen viele nur um 1500 Euro
im Monat erhalten, oder die Nachtdienstzulage von 4 Euro als „Privileg“
bezeichnen, selbst aber, wie etwa der Vorreiter im Kampf gegen
die „Privilegien“, der Staatssekretär Kukacka, einen
Pensionsanspruch (laut News) in Höhe von
13.172,40 Euro im Monat
haben, oder von der Regierung eingesetzte Manager bei der ÖIAG,
die Jahreseinkünfte von 684.869 Euro einstreifen.
Die keineswegs unnötige
Umorganisation der
ÖBB müsste allerdings von völlig anderen Grundsätzen ausgehen als jene
scheinbare Reform, die derzeit ausgearbeitet wird. Die Bahn ist ein
öffentliches Dienstleistungsunternehmen mit gemeinnützigen Aufgaben.
Das Ziel ist, möglichst viele Menschen, zu erschwinglichen Preisen,
bei möglichst hoher Qualität und Sicherheit mit Mobilität zu
versorgen. Die ÖBB müssen bei Erfüllung dieser Aufgabe keinen Gewinn
machen, noch ist der in der Diskussion um die ÖBB von Kukacka
angedrohte Konkurs (,ich werde das Schicksal des „Konsum“ abwenden')
relevant. Ein öffentliches Versorgungsunternehmen kann nie kostendeckend
sein. Die Konkursdrohung wurde auch noch nie bei Feuerwehr,
Bundesheer, Krankenhäusern und so weiter in den Raum gestellt. Wenn
Kukacka behauptet, dass 12.000 Eisenbahner überzählig sind, sollte
niemand ernstlich glauben, dass die Bahn mit
35.000
Beschäftigten den selben Aufgaben zufriedenstellend nachkommen kann wie
mit 4747.000.
Wohin dieser Weg des Gesundschrumpfens" führt, zeigen Beispiele in England.
Verfallende Infrastruktur, Häufung von Unfällen, mangelnde Beförderungsqualität,
unpünktliche
Verkehrsabwicklung, zersplitterte Fahrpläne, steigende Tarife sind die Folge. Es müsste Warnung genug sein, dass
sich derartige
Anzeichen auch schon bei den ÖBB in erschreckendem Masse zeigen und alle bisher in diese Richtung vorgenommenen „Reformen“ verbunden mit
Personalreduktion fast immer nur Nachteile für den Bahnkunden und
Serviceverschlechterungen zur Folge haben (siehe dazu unsere laufende
Berichterstattung über sich vermehrende Missstände).
Unter dem Schlagwort „für den
Wettbewerb fit
machen“ sollen die ÖBB nunmehr reformiert werden. Was derzeit
darüber bekannt ist, zeigt jedoch, dass diese Reform eine völlig neue Unternehmensstruktur zu Folge haben wird.
Ob dies allerdings zu
einer Verbesserung des Mobilitätsangebotes an die Bevölkerung
beitragen wird, ist anzuzweifeln. Vielmehr zeigen sich ganz
deutliche Hinweise darauf, dass diese Reform ein anderes politisches
Ziel verfolgt, nämlich die Zerlegung des einheitlichen Unternehmens
ÖBB und die Herauslösung lukrativer Einzelbereiche zwecks Teil- oder
Totalprivatisierung (siehe Oberbauerhaltung, Abgabe eines Teils der
aufgekauften Postbusse an Private). Gleichzeitig damit erfolgt die
Schaffung lukrativer Führungspositionen für regierungsnahe Personen
in den neu zu gründenden Holding-Aktiengesellschaften mit jeweils
eigenständiger Führungsstruktur und zuletzt wohl auch die
Zerschlagung der „Phalanx der roten Eisenbahner“.
Unbestritten ist, dass der von der
ÖVP ins „blaue" BMVIT (Verkehrsministerium) als Staatssekretär
eingeschleuste Kukacka ein politisches Kernziel der ÖVP zu exekutieren hat und dabei keineswegs an eine Weichenstellung
im Sinne einer Stärkung der ÖBB, sondern viel eher an deren
Filetierung und Privatisierung gedacht ist. Dieser Plan soll nunmehr mit
Nachdruck durchgepeitscht werden.
Am 11. August 2003 legte Kukacka
einen
Gesetzesentwurf „Änderung des Bundesbahngesetzes 1992“ vor. Dieser
Gesetzesentwurf ist nach Ansicht von Fachleuten schlicht eine Katastrophe. Abgesehen davon, dass darin zahlreiche
Rechtschreibfehler vorkommen, sind nach Ansicht von Juristen Passagen
enthalten, die einer Anfechtung vor Oberstgerichten nicht standhalten
würden. Als wesentlichster Fehler wurden für alle als ÖBB-Reform
bezeichneten Änderungen keinerlei Wirtschaftlichkeitsberechungen
angestellt. Diesen Gesetzesentwurf wollte Kukacka noch im August zur
Begutachtung aussenden und anschließend im Parlament per
Initiativantrag rasch exekutieren, damit das Gesetz schon per 1. Jänner 2004 Geltung erlangt. Dies war allerdings
sogar dem zuvor eher
lahm agierenden BMVIT Gorbach zu arg. Er fürchtet, dass bei
den bevorstehenden Landtagswahlen in Kärnten viele Eisenbahner, die
bei der letzten Wahl FPÖ wählten, dieser nunmehr aus Protest die
„rote Karte“ zeigen, erklärte die Angelegenheit zur Chefsache,
verfügte die vorläufige Zurückstellung der Aussendung zur
Begutachtung und verlangte, dass über ein neues Bundesbahngesetz
weiter verhandelt werden müsse.
In der Folge fanden Verhandlungen
statt, und der
Entwurf des Gesetzes wurde praktisch im Stundentakt geändert. In
weicher Form und wann das Gesetz jetzt wirklich zur Begutachtung
ausgeschickt wird, war lange Zeit nicht bekannt, denn es kam zu tief
greifenden Meinungsunterschieden zwischen dem BMVIT (Verkehrsminister
Gorbach) und seinem Staatssekretär, die vorerst nicht bereinigt
werden konnten. Weitere Tiefschläge erhielt Gorbach auch durch
seinen Ministerkollegen Grasser. Am 13. September ließ der Finanzminister
aus einem „Ort unter Palmen“ per ORF dem BMVIT (Verkehrsminister)
ausrichten, dass die ÖBB künftig jährlich eine Milliarde Euro weniger
erhalten würden. Gorbach reagierte sehr verärgert und teilte
Grasser - ebenfalls per ORF - mit, er möge besser schweigen und sich
nicht in seine Verhandlungstätigkeit einmischen. Höhepunkt
dieses Schlagabtausches und typisch für die Kampagne gegen die ÖBB war jedoch, als sich herausstellte, dass (Finanzminister) Grasser
noch
dazu mit falschen Zahlen operiert hat und der von ihm genannte, in
den Medien kolportierte Schuldenstand der Bahn nicht 4,1 sondern nur
2,8 Milliarden Euro beträgt, wobei in dieser Summe auch noch Aufwände enthalten sind (Bahnneubauten, gemeinwirtschaftliche Leistungen,
Pensionen), die dem Unternehmen ÖBB nicht als Schulden -
angelastet werden können. Eine nobelpreisverdächtige Spitzenaussage kam
dann noch von Kukacka, der meinte, die ÖBB möge die
Kürzung um eine Milliarde Euro durch eine Anleihe am freien Markt
ausgleichen.

Der am 2. Oktober 2003 dann doch
zur Begutachtung ausgeschickte Gesetzesentwurf sieht die Schaffung von
eigenständigen Unternehmen als Aktiengesellschaften unter dem Dach einer
Holding vor. Die Zielstruktur der ÖBB ist aus dem Organigramm ersichtlich.
Technische Services und Traktion werden GmbH-Töchter der PV und GV AG.
Offen sind bei dieser Organisationsform viele Fragen. Vor allem wurde nicht
geklärt, wem der Verschub zugeordnet wird. Unbeschadet davon soll dieser
auf ein Minimum geschrumpft werden.
Offen ist auch die Finanzierung
der „Personalmanagement GmbH“
(neuerdings "Dienstleistungs-GmbH" genannt), für die keinerlei Kapitaldeckung vorhanden
ist und in die 5000
Bedienstete ausgelagert werden sollen. Angeblich soll dafür über Verlangen
des Finanzministers „Familiensilber“ (Kraftwerke, Immobilien)
veräußert werden.
Was die ÖBB im derzeitigen
wirtschaftlichen Umfeld wirklich benötigen würden, ist keine
Unternehmensfiletierung, sondern eine möglichst schlanke zentralistische
Unternehmens- und Führungsstruktur, wobei politische
Überlegungen überhaupt keine Rolle spielen dürften. Die Führung des Unternehmens
müsste mit anerkannten Fachleuten besetzt sein, die vor allem auch
Durchgriffsrecht auf alle Unternehmensbereiche haben und auch die berüchtigte
zweite Ebene in den Griff bekommen, die sinnvolle Fahrzeugbeschaffungen
vornehmen, sowie den Streckenausbau nach Notwendigkeiten und nicht nach
politischen Einflüssen planen. Oberstes Unternehmensziel müsste dabei
immer die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung mit Mobilität sein. Im
Vordergrund sollte dabei nicht die Zahl der Beschäftigten, sondern deren
tatsächlicher Bedarf und effizienter Einsatz zur zufriedenstellenden Erfüllung
der Aufgaben der Bahn stehen. Bei dieser Tätigkeit müsste sie die volle
Unterstützung des Gesetzgebers mit entsprechenden flankierenden
logistischen Maßnahmen bekommen. Die in diesem Zusammenhang immer wieder
vorgebrachten Vorbildhinweise auf die Schweiz dürfen sich allerdings nicht
nur auf die Personalebene beschränken, sondern müssten auch das gesamte
Umfeld erfassen.
So wird etwa nicht davon gesprochen, dass in der Schweiz das Road Pricing
als Lenkungsinstrument in gänzlich anderer Form gehandhabt wird als in Österreich
und daraus lukrierte Gelder nicht nur zum Ausbau der Autobahnen, sondern
auch zum Ausbau des Schienenverkehrs verwendet werden. All dies ist bei der
jetzt geplanten ÖBB-Reform nicht zu erkennen.
Es ist daher zu befürchten, dass eine Regierungspartei ein politisches Ziel
erreicht, für die ÖBB und den Bahnkunden sich aber nichts, jedenfalls
nichts zum besseren wenden wird.
(Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“
Nr. 11/2003)
Eine Milliarde Euro weniger für
die ÖBB
Bei der Eisenbahn ist rigides Sparen
angesagt. So verkündete Finanzminister Grasser am 13. September, dass die
ÖBB hinkünftig eine Milliarde Euro jährlich weniger staatliche Zuschüsse
erhalten werden und kündigte weiter an, dass die ÖBB durch drastische
Personalreduzierung zusätzliche Sparleistungen erbringen müssen. Über
Einsparungen und Personalreduzierung kann man diskutieren. Klar ist aber,
dass eine Milliarde Euro weniger und viel weniger Personal (12 000
Bedienstete), keineswegs zu einer Qualitätsverbesserung des Angebotes der
ÖBB führen kann, sondern sich die schon jetzt merkbaren Kaputtspareffekte
noch vertiefen werden.
Eigenartig
dabei ist, dass die ÖBB die Einsparungen vor allem auf der Aufwandsseite
vornehmen müssen (Bahnerhaltung), hingegen die Investitionen in
Neubauprojekte verschont werden sollen. Hier drängt sich der Verdacht auf,
dass aus politischen Gründen die ÖBB eingebremst, die großen Baufirmen,
als der Regierung nahestehende Lobby, jedoch keineswegs verärgert werden dürfen.
Verkehrspolitisch nachvollziehbar ist dabei vieles nicht. Teure Großbauvorhaben,
bei denen sehr viel Geld eingespart werden könnte, werden ohne betrieblich
erforderliche Notwendigkeit und teilweise mit beträchtlichem Aufwand
gebaut, Bagatelleprojekte hingegen, die hohen betrieblichen und damit auch
wirtschaftlichen Nutzen bringen würden, bleiben unrealisiert.
Zu ersteren zählt etwa der
viergleisige Ausbau der Inntalstrecke, der ohne Brenner-Basistunnel
betrieblich absolut sinnlos ist und durch die technisch nicht
notwendige, jedoch durch
die technisch nicht notwendige, jedoch politisch erzwungene weitgehende
Tunnelführung gigantisch teuer wird. Solange für den Brennertunnel nicht
der Spatenstich erfolgt, und danach sieht es wahrlich noch lange nicht aus,
sollte im Inntal kein Meter Gleis neu gebaut werden. Am
viergleisigen
Streckenausbau im Inntal wird hinaeaen bereits mit Nachdruck gearbeitet. Mit
einem Baustopp, der keinerlei betrieblich nachteilige Folgen hätte, könnte
eine Milliarde jährlich locker eingespart werden. Selbst bei Baubeginn für
den Basistunnel stünde noch ein jahrelanger Zeitüberschuss für einen dann
allenfalls erforderlichen Ausbau auf vier Gleise zur Verfügung.
Gleiches gilt für die Koralmbahn. Auch in diesem Fall wird viel Geld
betrieblich weitgehend sinnlos verbaut, denn die Koralmbahn t nur im
Zusammenhang mit dem Semmering-Basistunnel Sinn, und für diesen ist ebenfalls kein Baubeginn in Sicht.
Verdankte man die Baukosten von
97,3 Millionen Euro für die
„Hochleistungsbahn“
Pamdorf - Kittsee der Verbrüderungsaktion eines roten Wiener
Politikers mit dem seinerzeitigen slowakischen Ministerpräsidenten,
folgt offensichtlich jetzt eine gleichartige schwarze Gegenaktion.
Nach einem Besuch des niederösterreichischen Landeshauptmannes
Pröll bei slowakischen Kollegen in Pressburg verkündete Pröll, dass
nunmehr die Strecke Stadlau - Marchegg - Pressburg zu einer
europäischen Hochleistungsbahn ausgebaut wird. Es genügt
offensichtlich nicht, dass die neue Bahn Pamdorf - Kittsee das
Dasein einer besseren Nebenbahn fristet ohne Perspektiven auf Verbesserung. Jetzt muss auch noch Stadlau - Marchegg
zweigleisig ausgebaut und
elektrifiziert werden. Man hätte sich das Geld für Pamdorf Kittsee und
jetzt den Ausbau Stadlau Marchegg ersparen können, wenn man die 19 km
lange Strecke Gänserndorf - Marchegg elektrifiziert und die fünf Kilometer
von Wolfsthal bis Petrzalka der S7 gebaut hätte! Der betriebliche
Nutzen wäre mindestens gleich hoch, die Kosten hingegen massiv niedriger
gewesen.
Um den betrieblich wichtigen
Eisenbahnring um
Wien zu schließen, wird jetzt endlich die im Krieg zerstörte
Freudenauer Hafenbrücke reaktiviert. Ein Kleinprojekt wird zu einem kostspieligen Vorhaben aufgeblasen, der damit mögliche beträchtliche
betriebliche Nutzen hingegen unverständlicherweise zur Bedeutungslosigkeit
reduziert. Die zweiteilige Brücke im Verlauf der Donauuferländebahn überspannt zwischen dem Praterkai und dem
Bahnhof Klein Schwechat
am sogenannten Praterspitz den Donaukanal und die Einfahrt zum
Winterhafen. Obwohl für diese eingleisige Brücke ein schlichtes
Spannbetontragwerk genügt hätte, wurde für ihren Bau ein
Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Das Siegerprojekt, das zum Bau
gelangen wird, sieht ein futuristisch gestyltes Monsterbauwerk vor.
Begründet wird dies damit, dass sich die Brücke harmonisch in die
Praterlandschaft einfügen müsse. Von Prater und Landschaft ist hier, knapp
hinter der stinkenden Wiener Fäkal-Großkläranlage, nichts zu
bemerken. In der Bevölkerung gilt diese Gegend als „der Arsch von
Wien“.
Nicht gebaut wird in diesem
Zusammenhang allerdings die dem Bahnhof Klein Schwechat nahegelegene zirka
300 m lange Ostschleife Kledering. Nur mit dieser, durch freie Felder
führenden Verbindungsschleife zur Ostbahn in Richtung Bruck an der Leitha,
deren Baukosten vermutlich nicht viel höher als der Aufwand für den
Architektenwettbewerb und die damit verbundenen Mehrkosten für die Brücke
gewesen wären, ergibt die Hafenbrücke Sinn, weil ohne diese Schleife der
Ring um Wien nicht geschlossen ist. Umleitungszüge um Wien (wie die RoLa)
müssten daher in Zentralverschiebebahnhof stürzen!
Lange geplant und dennoch noch
immer nicht gebaut ist die betrieblich wichtige Schleifenlösung für
Ebenfurth. Die gut brauchbare kleine (und billige!) Lösung wird immer
wieder verzögert, dafür an einer Monsterschleife Wampersdorf - Müllendorf,
die für die Bevölkerung des betroffenen Gebietes nur Nachteile brächte,
munter weiter geplant.
Zweifelsohne verdient an den hier
angeführten Großbauvorhaben die Bauwirtschaft sehr gut.
Für die ÖBB sind diese Bauten zur
Verbesserung der Betriebsabwicklung weitgehend unbedeutend. Offensichtlich
ist aber nicht gefragt, was für die Bahn, sondern was politisch wichtig
ist. Es wäre wahrlich besser, wenn der Finanzminister bei derartigen
Prestigebauten den Sparstift ansetzen würde, anstatt durch Kürzungen des
Aufwandes die Qualität des Betriebes zu beeinträchtigen, was wiederum die
Benützer der Bahn trifft.
(Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“
Nr. 11/2003)
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Fragwürdige Folge der Liberalisierung:
Aus für den EUROP-Pool
Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, wurde bereits im November
2001 beschlossen, dass der EUROP-Wagenpool für Güterwagen per 31. 12.
2002 aufgelöst wird. Damit
herrschen im vereinten Europa nun wieder Verhältnisse wie vor 50 Jahren.
Gegründet wurde der EUROP-Pool am 2. 3. 1953, nachdem
bereits per 1. 1. 1951 DB und SNCF ein bilaterales Abkommen über die
gegenseitige Nutzung von Güterwagen beschlossen hatten.
Hintergrund dieser Vereinbarung war eine Kostensenkung durch
Vermeidung von Leerwagenfahrten. Wurde beispielsweise ein beladener ÖBB-Wagen (EUROP) von Österreich
nach Deutschland gesendet, konnte die DB anschließend diesen Wagen wie
einen eigenen weiterverwenden und auch in das Ausland (nicht nur Österreich)
weitersenden. Möglich war
diese Vorgehensweise bei allen Bahnverwaltungen, die dem EUROP-Abkommen
beigetreten sind. Zukünftig
muß der Wagen sofort nach der Entladung entweder leer in die Heimat oder
beladen in Richtung näher der Heimat gesendet werden. Überdies ist nun für
jeden fremden Wagen ab Grenzübertritt pro Tag Mietgebühr zu verrechnen
(wie bisher bei allen Nicht-EUROP-Wagen üblich).
Ausschlaggebend für die Entscheidung, den Pool aufzulösen, ist die
Tatsache, dass es sich bei den heutigen westeuropäischen Eisenbahn-Güterverkehrsunternehmen
um keine partnerschaftlichen "Staatsbahnen" mehr handelt,
sondern um einander konkurrenzierende Privatunternehmungen.
Es braucht wohl nicht näher erläutert zu werden, dass eine
derartige Maßnahme kostensteigernd wirkt und somit die Konkurrenzfähigkeit
der einzelnen Bahnverwaltungen im Güterverkehr gegenüber der Straße
weiter abnimmt.
Abschließend soll erwähnt werden, dass bis Jahresende alle
EUROP-Anschriften an den Fahrzeugen gelöscht werden müssen, dazu zählen
auch die Austausch-Codes 01 und 11 der zwölfstelligen Wagennummer.
Alexander Binder in der Zeitschrift „Schienenverkehr aktuell“ Nr.
5/02

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Der
neue österreichische Generalverkehrsplan
Die österreichische Bundesregierung präsentierte am
25. Jänner 2002 mit der undefinierbaren Benennung "Reformdialog
VII" einer ausgewählten Adorantenschar im eleganten Rahmen des
Redoutensaals der Wiener Hofburg etliche Seiten, zum Teil bunt bedrucktes
Papier, das als "Generalverkehrsplan" für Schiene und Straße
bezeichnet wird.
Was den Schienenverkehr betrifft, kommt man schon bei
oberflächlicher Bewertung dieses inhaltlich nichtssagenden Ankündigungs-Elaborates
zum Ergebnis, dass die Bundesregierung versucht, auf ihre angeblich
ungeheuren Aktivitäten aufmerksam zu machen und etwas vorlegt, dass sich
zwischen Husch und Pfusch bewegt. Wenn
etwa Bundeskanzler Schüssel bei der Präsentation euphorisch erklärt,
dass im Hinblick auf die Osterweiterung der Eisenbahn-Ausbau in diesem
Generalverkehrsplan ganz besonders auf den Verkehr mit den östlichen
Nachbarländern abgestimmt ist, drängt sich die Frage auf, ob der
Bundeskanzler entweder keine Ahnung hat worüber er redet, oder ihm etwa
ein anderer Generalverkehrsplan vorliegt als jener der veröffentlicht
wurde. In dem uns
vorliegenden Papier ist nämlich abgesehen von der selektiven Zulegung
eines zweiten Gleises auf der Summerauerbahn bis 2011 und der
Reaktivierung des abgetragenen zweiten Gleises von Werndorf bis
Spielfeld-Strass - von Maßnahmen zur Verbesserung der Bahnverbindungen
mit Ostländern so gut wie nichts zu bemerken.
26 angebliche Verkehrsexperten unter Leitung des
Wiener Ziviltechnikers Rosinak waren von der Regierung mit der
Ausarbeitung dieses Generalverkehrsplans für Strasse und Schiene (man
bemerke: die Strasse wird immer zuerst genannt) betraut.
In vertraulichen Konferenzen im Alpenhotel Gösing, sowie bei
zahlreichen Sitzungen im Verkehrsministerium, wurde eine Auflistung
verschiedener, zumeist schon altbekannter und in früheren Plänen bereits
enthaltener Verkehrsprojekte, vorgenommen.
Neu ist, dass sie in den Prioritäten umgereiht wurden und das
Produkt jetzt als „Generalverkehrsplan“ (GVP) bezeichnet wird.
Grundsätzlich ist ein Generalverkehrsplan für Österreich
notwendig. Es gab allerdings
schon ähnliche, nur anders benannte, General-, Master- und sonstige Pläne.
Was den Schienenverkehr betrifft konnte man von verschiedenen
Projekten zwar auch nicht hellauf begeistert sein, immerhin ließ sie aber
ein zukunftssicherndes Ausbau- und Modernisierungskonzept für die
Eisenbahn erkennen das zumindest diskussionswürdig war. Vor allem aber
war als wesentliche Voraussetzung die Finanzierung (10,4 Milliarden Euro)
gesichert.
Die
Hauptkritikpunkte
- Fehlendes
Gesamtkonzept:
Wo bleibt der "große" Nord - Süd-Korridor? Von einem solchen ist außer einem verpfuschten Teilabschnitt
über ungarisches Staatsgebiet weit und breit nichts zu bemerken.
Der Donau-Korridor bleibt durch den Entfall des Ausbaues
Attnang-Puchheim - Salzburg ein Torso und eine Schnürstelle im europäischen
Schnellfahrnetz.
- Unflexibles Eingehen auf betriebliche Notwendigkeiten: Durch politische Entwicklungen unwichtig
gewordene Projekte, zum Beispiel Tauernbahn, Schoberpass, Arlberg, werden
ohne Rücksicht auf zwischenzeitlich verlorene Verkehrsbedeutung mit hohem
finanziellem Aufwand weitergebaut.
- Prioritätenreihung: Betriebsspezifisch un- oder
minderwichtige Bauvorhaben (Koralmbahn, Inntalaus-bau), sind an vorderste
Stelle gereiht und werden mit Geldmitteln, die von anderen wichtigeren
Projekten abgezogen werden, gebaut.
- Denkfehler: Die
Planer des GVP hätten sich an einem fundamentalen Grundsatz orientieren müssen:
Mit geringstmöglichem Geldaufwand zu bauen was am raschesten erkennbaren
Kunden- und verkehrspolitischen Nutzen für Personen- und Güterbeförderung
bringt und der Optimierung des Gesamtsystems Eisenbahn dient.
Davon ist absolut nichts zu erkennen, im Gegenteil.
Zahlreiche Vorhaben wurden so erstellt, dass sie von der über das
notwendige Maß weit hinausgehenden Projekterstellung und dem Kostenrahmen
unfinanzierbar und damit unrealistisch werden.
- Zeitfaktor: Mangels tatsächlich vorhandener Substanz wurde
offensichtlich zu potemkinschen Methoden gegriffen, um irgendetwas
politisch zu verkaufen, und Projekte in Zeithorizonte verlagert (zum
Beispiel nach 2021) die aus diesem Grund zu Papierankündigungen verkommen.
- Vernachlässigter
Nahverkehrsausbau: Abgesehen von politischen "Geschenken" (zum
Beispiel Ausbau der S 2) wurden betrieblich tatsächlich wichtige Projekte in weite Ferne gerückt, so etwa: drittes Gleis
Atzgersdorf - Brunn (2011), zweites Gleis Pottendorferlinie (2011), S 80 (nach
2021).
- Dringlichkeit:
Vernachlässigung von dringlich erforderlichen
Verbesserungen für die Betriebsabwicklung.
Hier gilt das gleiche wie vorstehend angeführt.
Vergleichsweise billige Projekte wie Schleifengleise, die aber
Verkehrs- und Wirtschaftlichkeits-Verbesserungen bei der Betriebsführung
bringen würden, sind weit hinten gereiht: Schleife Setzthal (2006),
Schleife Gramatneusiedl, Zvbf. Ostschleife, Stetteldorferschleife Absdorf,
Laaerbergtunnel (alle 2011).
- EU-Anschluss: Keine tatsächlichen Verkehrsverbesserungen mit künftigen
EU-Beitrittsländern. Die im
Zusammenhang mit Ausbaumaßnahmen von Strecken der GYSEV vorgesehenen
Investitionen (auch im Ausland) dienen dazu, den Eisenbahnverkehr an Österreich
vorbeizuführen und sich damit aus der "Affäre Semmering"
herauszuwinden.
- Lenkungsmaßnahmen: Keine
wirksamen Lenkungsmaßnahmen, um eine Verlagerung des Verkehrs von der
Straße auf die Schiene zu bewirken.
Die Erhaltung der bestehenden Schienenwege wird völlig
ausgeklammert.
Der Zeithorizont für die Verwirklichung des GVP wird mit 30 Jahren angegeben, an anderer Stelle wird dieser Zeitraum aber
wieder konterkariert und von einem „Paket 1“ und vorerst sechs Jahren
gesprochen. Das finanzielle
Gesamterfordernis wird mit 45,1 Milliarden Euro beziffert.
Zwei Drittel des Geldes sollen für den Schienenverkehr, ein
Drittel für den Straßenverkehr aufgewendet werden.
Diese Aufteilung erscheint zwar im ersten Augenblick positiv,
bleibt aber eine rein theoretische Absichtserklärung da - abgesehen vom
sogenannten SCHIG-Rahmen von 10,4 Milliarden Euro der noch aus der Zeit früherer
Regierungen stammt und bereits für begonnene Projekte weitgehend verplant
wurde - sogut wie keine finanzielle Bedeckung vorhanden ist und alle
Geldquellen nebulos umschrieben werden.
Zur Finanzierung von Straßenverkehrsprojekten ist die Einhebung
eines Road Pricings geplant das mit 20 Cent (3 Schilling) pro Kilometer,
sehr LKW-freundlich angesetzt wurde und vielleicht für den weiteren
Autobahnausbau genügen wird, aber weit unter dem für Lenkungseffekte (Verlagerung
des Güterverkehrs auf die Schiene) erforderlichen Wert liegt.
Der frühere Verkehrsminister Einem verlangte seinerzeit 4
Schilling, in der Schweiz werden 1,18 Euro
kassiert, und zwar auf allen Strassen und nicht nur auf Autobahnen, wie in Österreich
vorgesehen.
Der GVP ist, was den Schienenverkehr betrifft, in
vier „Pakete“ gegliedert - 0, 1a, 1b, 2 - in denen offenbar die
politische Wertigkeit und damit Verwirklichungs-Geschwindigkeit
ausgedruckt werden sollte:
Paket 0
Kosten 9,45 Milliarden Euro (130 Milliarden
Schilling).
Projektzeitraum zwischen 2002 und 2011, zum Teil aber auch noch über
2021 hinaus. Im wesentlichen
handelt es sich in diesem Paket um bereits zuvor übertragene Vorhaben aus
dem alten 10,4-Milliarden-SCHIG-Rahmen. An vordringlichste Stelle gereiht
wurde der Bau der Koralmbahn und dafür auch die mit Abstand höchste
finanzielle Dotierung bereitgestellt.
Weiters sind darin enthalten:
-
Umbau des Bahnhofes Klagenfurt,
-
Verbindung steirische Ostbahn - Koralpenbahn, Terminal Wemdorf,
-
Neubaustrecke Kufstein - Wörgl, Kundl Volders-Baumkirchen (neue
lnntaltrasse),
-
Ausbau der Westbahn, vor allem in Niederösterreich, einschließlich
Güterzugumfahrung St. Pölten.
Lainzer Tunnel allerdings erst bis 2011,
-
Baulose Ybbs - Amstetten, Umfahrung Enns, Asten - Linz, Lambach -
Attnang-Puchheim,
- Tauernbahn (Schlossbachgraben - Angertal, Brandstatt -
Loifarn),
-
Schoberpass (Unterwald - Kalwang),
-
Arlberg (zweites Gleis Langen - Klösterle),
- Ausbau
S 2.
Paket
1a
Kosten: 5,57 Milliarden Euro. Schwerpunkte der
Verwirklichung zwischen 2007 und 2011 aber auch nach 2021:
-
Ausbau Oberwart - Szombathely,
- Elektrifizierung Wiener
Neustadt - Sopron,
- Ausbau Tauernbahn (Kolbnitz
- Pusarnitz, Steinbach - Schlossgraben),
- Schleife Selzthal,
- Arlbergbahn (zweites Gleis
Bludenz - Braz),
- Herzogenburg - St. Pölten
(zweites Gleis),
- Salzburg - Freilassing (drittes
Gleis),
- Pottendorferlinie (zweites
Gleis),
- Freudenauer Hafenbrücke, Schweizergartenschleife.
In diesem Paket werden beträchtliche Geldmittel
unter dem Titel, „Tunnelsicherheit“ aufgelistet. Darin enthalten ist etwa der Arlbergtunnel der durch Querschläge
mit dem Arlberg-Straßentunnel verbunden werden soll, Bosruck-, Tauern- (zweite
Röhre), Karawanken-, aber auch die Neubauten Sittenberg-, Zammer- und
Galgenbergtunnel.
Erhebliche Geldmittel werden auch für die Errichtung
von Lärmschutzwänden und den Bau von Park & Ride-Anlagen vorgesehen.
Bescheiden ist allerdings die Dotierung für den Ausbau der
Sicherungseinrichtungen (ETCS Level 1).
Wahrlich als Verhöhnung all jener Planer, die
seinerzeit dem Ausbau der Semmeringstrecke als wichtigem Nord-Süd-Korridor
besondere Bedeutung beigemessen hatten, ist die auch in diesem Paket
enthaltene und mit einem Zeitraum bis 2021 angesetzte „Bestandssanierung
Semmering“. Mit dem dafür vorgesehenen Betrag von 2,11 Millionen Euro können
bestenfalls einige Kabel und Drähte der Signal- und Fahrleitungsanlagen
ausgetauscht werden.
Paket
1 b
Kosten 6,78 Milliarden Euro.
Zeitrahmen 2011 und später.
-
Neubaustrecke Klagenfurt - Villach,
-
Bestandsanierung Attnang-Puchheim - Salzburg,
-
selektiver zweigleisiger Ausbau Summerauerbahn,
-
drittes Gleis Atzgersdorf - Brunn,
-
Elektrifizierung Neusiedl am See - Wulkaprodersdorf,
-
Schleife Gramatneusiedt, Stetteldorferschleife Absdorf, Zvbf
Ostschleife, Laaerbergtunnel,
-
zweites Gleis Gödersdorf - Rosenbach.
Paket
2
Kosten 12,17 Milliarden Euro.
Zeitrahmen bis 2021 und später.
-
Eisenbahn Wien - Flughafen - Eisenstadt - Sopron,
- Neubaustrecke
Sopron - Szombathely,
-
Reaktivierung Szombathely - Oberwart,
-
Ostschleife Parndorf,
-
Spange Fischamend - Götzendorf,
-
Ausbau Innkreisbahn,
-
Elektrifizierung steirische Ostbahn,
-
selektiver zweigleisiger Ausbau Gleisdorf - Szentgotthard,
- Brenner Basistunnel,
-
Pfändertunnel,
- Arlbergbahn zweigleisiger Ausbau Ötztal - Roppen, Landeck -
Pians, Braz - Klösterle,
- Terminal lnzersdorf,
-
Bahnhof Wien,
-
Ausbau S 80,
-
Wien Meidling - Wien Hütteldorf (S 15).
In den GVP wurden Verkehrsprojekte aufgenommen, deren
Wertigkeit von Wünschen an das Christkind über falsche Prioritäten bis
zu weitgehend unnötig reicht. Letztere
sind zum Teil mit milliardenteurer Geldverschwendung verbunden und dennoch
keineswegs geeignet, die wesentlichen Probleme der Eisenbahn in Österreich
durch entsprechende Ausbaumaßnahmen, vor allem auch im Hinblick auf die
Ostöffnung, sowie Zukunft und Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Straße
zu sichern.
Bemerkenswert dabei ist ferner, dass zahlreiche
Verkehrsprojekte zwar in den GVP aufgenommen, ihre Realisierungszeit
jedoch zwischen 2021 und 2032 angesetzt wurde, womit sie schon deshalb
jegliche Sinnhaftigkeit und Chance auf Verwirklichung verloren haben.
Die (damals noch) Verkehrsministerin Forstinger kommentierte
diesbezügliche Fragen mit den Worten: „Warum soll ich mich jetzt um
Schulden kümmern für Projekte die ich gar nicht realisieren kann.“ Unübersehbar
ist allerdings, dass der Erstellung des GVP ein mieser blau-schwarzer
politischer Kuhhandel zugrunde lag. Dabei
standen die persönlichen Wünsche und Befindlichkeiten von einzelnen
Landeshäuptlingen merkbar im Vordergrund.
Mit Stolz wurde daher auch verkündet, dass die Landeshauptleute
von Kärnten und Tirol, aber auch Niederösterreichs, mit dem neuen GVP
zufrieden sind, in Wien hingegen Zorn und Enttäuschung herrscht.
Wie dies zu verstehen ist, zeigt sich unter anderem daran, dass
sich die generelle Verkehrssituation in Österreich in den letzten
Jahrzehnten zwar überhaupt nicht verändert hat, die Milliardenprojekte
Inntalausbau (Tirol) und Koralpenbahn (Kärnten), die von Fachleuten vor
kurzer Zeit noch als die unwichtigsten Verkehrsbauten am letzten Ende der
Prioritätenliste gereiht worden waren, praktisch von einem Tag auf den
anderen höchsten Vorrang gemessen, der Semmeringtunnel hingegen im GVP
nicht einmal mehr aufscheint, Der Kommentar aus dem Ministerium: "Man
muss eine biologische Problemlösung abwarten." Besondere Wichtigkeit
kommt jetzt aber der Elektrifizierung nach Laa an der Thaya und dem
zweigleisigen Ausbau der S2 nach Mistelbach zu.
In der Priorität weit nach hinten geschoben wurden hingegen Wien
berührende Projekte. Etwa der Ausbau der S 80 von 2007 auf zwischen 2011
und 2021, der
Zentralbahnhof Wien von 2007 auf 2021, der Ausbau der Strecke Wien -
Flughafen - Eisenstadt - Sopron auf 2021, desgleichen der Bau des Güterterminals
Freudenau und Inzersdorf.
Konkret bedeutet dies, dass in den Plan nur das
aufgenommen (oder nicht aufgenommen) wurde, was einigen politischen
Entscheidungsträgern in ihr individuelles Denken passte und nicht das was
die Eisenbahn in Österreich wirklich brauchen würde. Wichtige, aber nicht in diese Philosophie passende Projekte,
wurden entweder negiert oder in ihrer Priorität außerhalb eines
realistischen Zeithorizontes ausgelagert.
Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Denkweise im
GVP für die Nord-Süd- und West-Ost-Magistralen. Das Land Niederösterreich, genauer gesagt dessen
Landeshauptmann Pröll, will bekanntermaßen den raschen Ausbau der
Westbahn (Donaukorridor) und keinen Semmeringtunnel.
Dementsprechend wird im Generalverkehrsplan der viergleisige Ausbau
der Westbahn von Wien bis St. Valentin als besonders dringlich bezeichnet
und die von den FPÖ- Verkehrsministern Schmid und Forstinger erst vor
kurzer Zeit sistierten Projekte GZU (Güterzugumfahrung St. Pölten) und
Wienerwaldtunnel wieder aufgenommen.
Der Semmeringtunnel hingegen wurde offensichtlich auf Druck der Pröll-Lobby
aus dem Generalverkehrsplan - de facto - ausgenommen.
Damit der von den FPÖ-Verkehrsministern aus Gründen der Priorität
vordem gestoppte und jetzt über Druck der ÖVP Niederösterreich wieder
aktivierte Weiterbau der GZU St. Pölten und der Monsterumbau des
Bahnhofes St. Pötten nicht allzu blamabel wirkt und den Koalitionspartner
nicht vergrämt, wird als Morgengabe für den Kärntner FPÖ-Landeshauptmann
Haider statt des Semmeringtunnels nunmehr der Bau der Koralmbahn als
besonders dringlich gereiht, Dass sich gegen dieses „Verkehrsgeschenk“
für Haider gerade in Kärnten unter Führung von FPÖ-Politikem schon
vier Bürgerinitiativen (Klopeinersee, Peratschitzen, St. Lorenz und St.
Paul) gegen den Eisenbahnbau formieren, stellt für Haider überhaupt kein
Problem dar, „dann wird eben die Eisenbahn unter die Erde verlegt“.
Kosten sind offenbar egal.
Hinsichtlich einer
modernen Eisenbahn Nord-Süd-Achse durch Österreich und einer Berücksichtigung
der nach der Osterweiterung zu erwartenden Verkehrszunahme ist der Inhalt
des GVP schlicht als katastrophal zu bezeichnen.
Da der Semmeringtunnel aus politischen Gründen nicht gebaut werden
darf, wurde krampfhaft nach einer Alternative gesucht. Von seriösen Verkehrsplanern wurde längst dokumentiert,
dass aber ohne
Lösung der Semmeringfrage ein sinnvoller Nord-Süd-Korridor nicht machbar
ist. Das allerdings wollen oder dürfen die nunmehr
zuständigen politischen Verantwortlichen nicht eingestehen.
Dass die Aspangbahn nicht
einmal eine Denkvariante sein kann, haben die NÖ- und andere
Verkehrsplaner zwar endlich erkannt. Ein als Alternative dafür
konkretisierter Plan unter dem Titel „Bestandsanierung“ der
bestehenden Altstrecke über den Semmering ist nichts anderes als eine lächerliche
Alibi-Aktion. Im Zeitraum bis 2021 sollen jetzt lediglich die
Sicherungsanlagen und die Fahrleitung erneuert werden.
Irgendwelche Trassenverbesserungen oder Überlegungen für
Alternativen zum Tunnel (man könnte das Semmeringproblem auch in anderer
Form als mit dem geplanten Tunnel lösen) erfolgen nicht.
Da dies daher sichtlich nicht die Lösung darstellt, wird wieder
einmal die Ungarn-Karte, diesmal aber recht schlau und heimlich aus dem Ärmel
geholt. Als „Semmering-Ersatzlinie“ ist zwar ein Streckenneubau Wien -
Flughafen – Gramatneusiedl - Wampersdorf - Eisenstadt - Sopron und die
Anbindung an den Korridor V in Ungarn im GVP enthalten, der dafür
angegebene Zeithorizont von 2021 dokumentiert allerdings bereits die
Bedeutung, die man diesem Projekt beimisst sowie seine Chancen auf
Verwirklichung. Darüber hinaus hat Verkehrsministerin Forstinger eine österreichische
Nord-Süd-Magistrale über Ungarn „als
Verrat an Österreich“ bezeichnet.
Man ist daher sichtlich bemüht, diese Variante durch einen extrem
fernen Zeithorizont undiskutabel zu machen und bastelt dafür listig an
einer verschleierten (aber schlechten) Alternative. Durch ein Konglomerat
von Strecken der ÖBB, die ausgebaut und mit fremden Bahnen verbunden
werden, entsteht eine Bahnlinie, teils in Österreich teils in Ungarn, die
als Semmering-Ersatz für eine neue Nord Süd-Achse herhalten soll.
Die MAV-Strecke Sopron - Szombathely wurde im Dezember 2001 bereits
von der GYSEV übernommen. Mit ihrer Modernisierung und Elektrifizierung,
angeblich unter 1/3-Kostenbeteiligung Österreichs, wird umgehend.
begonnen. In weiterer Folge
ist auch eine Übernahme der Strecke Szombathely - Szentgotthard durch die
GYSEV geplant.
Die ÖBB bauen
-
eine Anschlussstrecke Oberwart - Szombathely (Kosten 6,87 Millionen
Euro),
-
Schleife Müllendorf,
-
Schleife Ebenfurth,
-
Ostschleife Parndorf,
-
Elektrifizierung Wr. Neustadt - Sopron,
- Elektrifizierung Neusiedl am See - Wulkaprodersdorf,
-
Elektrifizierung der steirischen Ostbahn,
- Steirische Ostbahn: Errichtung von drei neuen
Betriebsausweichen.
Die HL-AG baut
-
Neubaustrecke Sopron - Szombathely,
-
Zweigleisiger Ausbau steirische Ostbahn Gleisdorf - Szentgotthard,
-
Verbindung steirische Ostbahn - Koralmbahn.
Als Einzelobjekte betrachtet ergeben diese Vorhaben
wenig Sinn. Ein Blick auf die
Landkarte zeigt jedoch, dass hier puzzleartig eine östliche Umfahrung der
Südbahnroute über den Semmering entstehen soll, die von der Slowakei (Ostschleife
Parndorf) der alten Dunantuli hev Route bis Sopron folgend und weiter über
eine von Österreich (HL-AG) gebaute Neubaustrecke Sopron - Szombathely
weiter nach Szentgotthard und über die ausgebaute und elektrifizierte
steirische Ostbahn nach Graz führt und dort an die Koralmbahn angebunden
wird. Stichstrecken werden
aus Innerösterreich (Ebenfurther Schleife, Elektrifizierung Wr. Neustadt
- Mattersburg, Reaktivierung oder Neubau Oberwart - Szombathely an diese
ungarische Semmeringumfahrung angelenkt.
Als Argumentationshilfe für die Linienführung über ungarisches
Staatsgebiet kann angeführt werden, dass Österreich als
Minderheitsaktionär an der GYSEV zu einem Drittel Mitbesitzer dieser
Strecke ist, Für die GYSEV wäre die Realisierung dieser Planung ein
gewaltiger Aufschwung. Eine
moderne leistungsfähige Nord-Süd-Magistrale, wie sie Österreich
dringend benötigt, und der von Schüssel (Anm.: österreichischer
Bundeskanzler - ÖVP) enthusiastisch bejubelte Eisenbahnausbau zu den östlichen
Nachbarn, ist das trotz damit verbundener hoher Kosten - aber wahrlich
nicht.
Über den viergleisigen Ausbau der Westbahn von Wien
bis Salzburg lässt sich in Detailfragen diskutieren. Dass bereits begonnene Vorhaben abgeschlossen werden sollten,
scheint sinnvoll. Ob es bei
verschiedenen Planungen nicht auch andere, preisgünstigere Lösungen gäbe
(zum Beispiel Umbau Bahnhof St. Pölten) wäre zu prüfen.
Nicht diskutieren lässt sich allerdings darüber, dass Projekte
zwar gesamtstaatlich gesehen als wichtig und notwendig erkannt werden,
aber dennoch nicht gebaut werden dürfen weil kleinkarierte politische
oder persönliche Interessen dagegen geltend gemacht werden.
In diese Kategorie fällt neben der Verhinderung des
Semmeringtunnels etwa auch der Ausstieg im neuen GVP aus dem geplanten
Ausbau der Westbahnstrecke Attnang-Puchheim - Salzburg.
Hier zeigt sich ein Semmering-Trauma auf salzburgisch. Dieser
Streckenabschnitt war primär nicht aus Kapazitätsgründen zum Ausbau
vorgesehen sondern wegen der ungünstigen Trassierung, die einen
Schnellverkehr nicht zulässt. Entsprechende
Streckenkorrekturen des Altbestandes oder ein Ausbau für den nutzbaren
Einsatz von Neigekasten-Fahrzeugen käme in preisliche Kategorien, die
einen Neubau denkbar machen. Abgesehen
davon würde die Streckenkapazität durch die Führung von Zügen mit
stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten drastisch sinken, Der geplante
Ausbau aber wird von einigen eisenbahnfeindlichen Ortspolitikem mit allen
Mitteln bekämpft. Die
Salzburger Landesregierung sieht diesen Verhinderungsaktionen tatenlos zu
und ist offensichtlich zufrieden, dass die Westbahn in diesem Bereich zwar
nicht ausgebaut wird, sie dafür aber ein lokalpolitisches Thema vom Tisch
hat.
Unverständlich erscheint auch, dass die Verfasser
des neuen GVP aus Schaden nichts gelernt haben und in den gleichen Fehler
verfallen sind wie schon Planer in der Vergangenheit. Offensichtlich nach dem Motto „ein Bau ist nur gut wenn er
gigantisch ist“ wird wieder der berechtigte Weg der sogenannten „goldenen
Mascherln“ verfolgt. Das
heißt, es wurden zum Teil stark überdimensionierte Projekte erstellt,
die in unfinanzierbare Dimensionen reichen und schon aus diesem Grund von
vornherein den Keim der Verschiebung in die Unendlichkeit in sich tragen.
Es wurde leider auch nicht versucht, durch gleich gute aber
billigere und einfachere Lösungen die Wahrscheinlichkeit einer
Realisierung zu erhöhen. Auch
hat man offenbar übersehen, schon vorhandene, mäßig gut gelungene
Verkehrsbauten, durch verhältnismäßig minimale Aufwände in ihrer
Effizienz zu verbessern. Dazu
zählt etwa die Flughafen-Schnellbahn S 7, die trotz Investitionen von
bisher schon mehr als 5 Milliarden Schilling in der Praxis ein in
Wolfsthal endender Lokalbahn-Torso bleibt, dessen sichtbarer Kundennutzen
im Vergleich zum finanziellen Aufwand höchst bescheiden ausfällt, Aber
auch etwa eine Verlängerung der Elektrifizierung, verbunden mit
Streckenverbesserungen, von Deutschkreutz Richtung Oberpullendorf, hätte
Verkehrsbedeutung. So könnte
damit der Blaguss-Autobusinvasion in der Relation Mittelburgenland - Wien
Einhalt geboten werden. Aber
offensichtlich will man das gar nicht!
Auffallend, aber keineswegs überraschend ist, dass
praktisch alle den Bereich Wien betreffenden Bauvorhaben
(S 80, Bahnhof Wien, Güterterminal Inzersdorf und andere) sehr weit in
die Ferne verschoben wurden.
Alles in allem ist dieser GVP ein Schriftstück, in
dem zahlreiche Verkehrsprojekte aufgelistet wurden, deren
Verwirklichungs-Notwendigkeiten und die damit verbundenen Prioritäten
aber in höchstem Masse diskussionswürdig sind.
Er lässt viele Fragen offen, bietet kaum sinnvolle Lösungen an
und die Bezeichnung „Generalverkehrsplan“ ist eher als Hochstapelei
anzusehen. Schadensmildernd
wirkt sicher, dass die Gefahr seiner Verwirklichung - schon aufgrund der
ungemein langen Zeithorizonte und der damit verbundenen zwischenzeitlichen
politischen Veränderungen in Österreich - vermutlich nicht sehr groß
sein dürfte. Dies ändert jedoch nichts daran, dass jetzt rasch sinnlose
Bauten begonnen werden, um vollendete Tatsachen zu schaffen (zum Beispiel
Koralmbahn) und damit Vorgaben entstehen, aus denen man später - selbst
bei gutem Willen - nicht mehr leicht herauskommt (siehe Güterzugumfahrung
GZU St. Pölten). Besonders
bedauerlich ist, dass doch vieles gebaut werden wird,
das unwichtig ist, wirklich Notwendiges hingegen ungebaut bleibt. Im
übrigen sieht dies auch der Rechnungshof so, der den GVP für die
Eisenbahn als „von der Realität abgehoben“ bezeichnet.
(Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“
Nr. 4/2002)

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Vorgaben für ÖBB-Manager
In
Anbetracht der diffusen Führungssituation
herrschte bei den ÖBB ab der
Bestellung des neuen Vorstandes
Entscheidungsflaute. Die alte Führung
entschied nichts wesentliches mehr, die neuen "Machthaber", die
am 1. August 2001 ihr Amt
offiziell antreten, hielten sich auffallend bedeckt. Allerdings
kam es im Mai 2001 zu einem
Gespräch der Infrastrukturministerin Forstinger mit dem
Aufsichtsratsvorsitzenden und den drei neu bestellten Mitgliedern des
Vorstandes der ÖBB. Dabei
wurde ein Strategieprogramm
besprochen, dass sich auf wenige
Punkte konzentriert. Darunter befinden sich höhere Produktivität, weniger Bundeszuschüsse, Kostentransparenz und als nachhaltigste
Vorgabe - die Zerteilung der
Bahn.
Nachdem
der wichtigste Hemmschuh für letzteres Vorhaben, der alte
Generaldirektor Draxler, "zur
Seite geräumt wurde", sollte diesem
politischen Muss jetzt nichts mehr im Wege
stehen. Hier scheinen sich
die Vorstellungen in der Regierungskoalition in jüngerer Zeit allerdings etwas zu differenzieren. Während die ÖVP nach wie vor mit Nachdruck für eine Zerschlagung der
Bahn eintritt, zieht die Infrastrukturministerin mit den Worten
"aber nicht um jeden Preis" sichtlich die
Bremse. Vor allem auf
oberster politischer Ebene der FPÖ legt sich etwa die Vizekanzlerin Riess-Passer
diesbezüglich keineswegs fest. Darüber
hinaus ist es kein Geheimnis, dass Finanzminister Grasser und
Spitzenbeamte seines Ministeriums aus rein sachlichen
Gründen alles andere als Befürworter der von der ÖVP aus politischen
Gründen verlangten Zerschlagung der Bahn sind. Dies war zudem sehr
deutlich am offen gezeigten Ärger
des Finanzministers über die
Art der Bestellung des neuen Managements der ÖBB zu bemerken. Es ist daher durchaus
möglich, dass diese Frage - wie viele
andere auch - auf die sogenannte "lange Bank" geschoben wird.
Von Seiten der drei neuen Vorstandsmitglieder der ÖBB ist anzunehmen, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keine besondere
Aktivität zur Abhandlung dieses
Problems an den Tag legen werden.
Welche
Hintergründe es bei der geplanten Zerschlagung der Bahn gibt, die von
Regierungsseite mit dem Argument der Ausschaltung der Quersubventionierung
und der Schaffung von
Kostentransparenz zu erklären versucht wird, zeigt sich an verschiedenen
Beispielen. So wurde und wird
die Einführung eines Road-Pricings
für LKW auf politischer Ebene
permanent verzögert. Vom
geplanten Einführungstermin 1995 ist man jetzt schon, und auch das lediglich mit einer Absichtserklärung, bei 2005 angelangt.
Dass ein 40-t-LKW die
Strassen 35 000 Mal stärker schädigt als ein PKW, ist wissenschaftlich längst
dokumentiert. Bekannt ist
auch, dass die
exorbitanten Kosten des LKW-Verkehrs vor allem hinsichtlich der von ihm
verursachten Schäden an den Strassen und Einbauten
von diesem lediglich zu einen Drittel
gedeckt werden. Von den Folgekosten bei
Unfällen und den dadurch hervorgerufenen volkswirtschaft-lichen Schäden
- so verursacht etwa eine Staustunde auf Autobahnen nach Unfällen einen
volks-wirtschaftlichen Schaden in Höhe von vier Millionen Schilling
- spricht ohnedies fast niemand mehr!
Klar ist daher, dass diese vom LKW-Verkehr nicht gedeckten Kosten
aus anderen Quellen
quersubventioniert werden müssen. Dies allerdings stört gerade jene
Politiker, die von der Bahn
immer lautstark Schluss mit der
Quersubventionierung (Infrastruktur -
Absatz) verlangen, offensichtlich überhaupt nicht.
Im Gegenteil: der Schwerverkehr auf der Strasse erfreut sich bei
Gesetzesübertretungen wohlwollender Nachsicht. So sind zwar nur 40,8 t Gesamtgewicht eines LKW-Zuges zugelassen, die
Exekutive toleriert jedoch Überladungen bis 50 t (!).
Höchst
seltsam ist in diesem Zusammenhang, dass gerade jene politischen
Lobbyisten, die mit größtem Nachdruck die Aufteilung der Bahn fordern,
bei der Luftfahrt vollkommen konträr argumentieren und den
Zusammenschluss von AUA, LAUDA und TYROLEAN zu einer einheitlichen österreichischen
Luftlinie fordern.
Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“)

VCÖ für Straßenbau-Stopp
am
Semmering
„Bau des Straßentunnels zerstört Naturgebiet!"
Für einen sofortigen Baustopp
beim
Semmering-Straßentunnel
spricht sich der VCÖ (VerkehrsClub Österreich) aus.
Der Ausbau der Semmering-Schnellstraße zerstört ein schützenswertes
Naturgebiet, kritisiert der VCÖ.
Die Argumente, die zum Stopp des Bahntunnels führten, treffen auf den
Straßentunnel in noch größerem Ausmaß zu.
"Wenn Naturschutz wirklich ernst genommen wird,
dann kann es für den Semmering-Straßentunnel nur heißen: Kein Licht am
Ende des Tunnels durch sofortigen Stopp des Projektes", stellt
Dipl.-Ing. Wolfgang Rauh vom VCÖ- Forschungsinstitut fest.
Der VCÖ hat die Auswirkungen des Vollausbaus der S6 untersucht.
Das Ergebnis:
Für drei Tunnel müssen etwa 7,5 Millionen Kubikmeter Erde allein für
Einschnitte und Dämme ausgehoben werden.
Etwa 600.000 Kubikmeter Vegetation werden gerodet.
Seit Bestehen der Sondierungstunnel für diese Straße sind bereits
mehr als 600 Millionen Liter Trinkwasser ausgeleitet worden.
"Diese Naturzerstörungen durch den Straßenbau finden in einem
NATURA 2000-Gebiet statt, das eigentlich vor einer Zunahme der Verkehrs-
und Emissionsbelastung geschützt werden solle", ist der
VCÖ-Wissenschafter Rauh empört.
Laut Berechnungen würden
nach Fertigstellung der
Semmering-Straßentunnel täglich rund 25.000 Fahrzeuge über den Semmering
fahren.
Das sind fast doppelt so viele wie heute. "Das Erholungsgebiet
Semmering droht von Abgaswolken eingenebelt zu werden", warnt Rauh.
Ebensowenig ist der Ausbau der Schnellstraße S6 ökonomisch effizient:
Der 16 km Abschnitt mit den drei geplanten Straßentunnel verschlingt
mindestens 4,4 Millionen Euro (ca. sechs Milliarden Schilling).
"Ich hoffe, dass all jene, die aus ökologischen (?) Gründen gegen den
Semmering-Bahntunnel argumentiert haben, die Natur auch vor der
Zerstörung durch die Straßentunnel schützen", stellt VCÖ-Experte Rauh
abschließend fest.
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