______________________________________________________________________________________

______________________________________________________________________________________ |
|
Verkehrsreport
Für
Sie gelesen !
An
dieser Stelle werden interessante Artikel
aus der Fachliteratur, der Tages-, Wochen- und Monats-Presse zitiert.
|
|
|
Neue Unternehmensstrategie
gefordert
Anfang November 2009
wurde der Infrastruktur-Report
2009 veröffentlicht. Nicht unerwartet kommen darin die ÖBB sehr schlecht
weg. Das Ansehen beziehungsweise die positive Bewertung der Eisenbahn ist in
der Öffentlichkeit von 55 % im Jahr 2008 auf 49 % in 2009 abgesunken. Der
Anteil der Kritiker hingegen ist von 30 % auf 37 % angestiegen. Unzufrieden
mit dem Fahrplan
sind jetzt 49 % gegenüber 46 % im Vorjahr.
Diese enttäuschende Bewertung hat die Frau BMVIT zu einer Weisung an das
Management der ÖBB veranlasst. Sie fordert, dass die Zufriedenheit der
Reisenden erhöht werden muss und absolute Priorität geniesst. Weiter wird
der Vorstand der ÖBB angewiesen, eine neue Unternehmensstrategie zu
entwickeln, bei der der Servicecharakter im Mittelpunkt zu stehen hat. Man
könnte zufrieden sein. Endlich fallen klare Worte bezüglich
der Betriebsqualität der ÖBB.
Allerdings drängt sich die Frage auf, warum zu der bisher verfolgten
Unternehmensstrategie so lange geschwiegen wurde? Wie diese neue
Unternehmensstrategie aussehen soll und wie sie verwirklicht werden kann,
wird nicht gesagt. Es darf auch heftig angezweifelt werden, dass ein an die
Unternehmensleitung ergangener entsprechender Auftrag sich auch in die
Ausführungsebenen
durchsetzen wird. Immerhin war nur einen Tag vor der Anweisung aus dem BMVIT
der
Vorstandsdirektor der ÖBB Infra Bau AG, Georg-Michael Vavrovsky, in Kärnten
und verkündete: „Der Bau der Koralmbahn ist ausfinanziert und gesichert."
Am gleichen Tag erschien der endgültige Fahrplanentwurf für das Jahr
2010/2011, dessen Inhalt genau das Gegenteil dessen bewirkte, was die Frau
Minister verlangt hat! Aber auch der Frau Minister muss in Erinnerung
gerufen werden, dass es ganz wesentlich an ihr gelegen wäre, bei den ÖBB
endlich die kontraproduktiven Taten einzelner Unternehmensbereiche (Netz-
und Streckenentwicklung GmbH, Trassenmanagement, Infra Bau und Betrieb)
abzustellen. Es muss auch durchgesetzt werden, dass die Unternehmen den
Ministerauftrag vollständig umsetzen. Und die wirklich kundennützlichen
Massnahmen können entscheidend mit den vom Ministerium aufgelegten
Rahmenplänen gesteuert werden!
Über eines sollte sich die Frau BMVIT klar werden: Die ÖBB wurden in den
letzten Jahrzehnten betrieblich und infrastrukturell in einen Zustand
heruntergewirtschaftet, der eine Erfüllung ihres Auftragesgar
nicht mehr möglich macht.
(Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“ Nr. 1/2010)
|
|
Demontage des ÖBB-Netzes
Nicht nur die Politik trägt Verantwortung am Niedergang der ÖBB, auch aus
dem Unternehmen selbst wird durch eine kritiklose Unterstützung, durch
schlechte Planungen beziehungsweise unvernünftige Massnahmen nachdrücklich
an der Abwärtsspirale mitgedreht. Ein Beispiel dafür, wie die Netz- und
Streckenentwicklung GmbH (NSE), das Trassenmanagement und Infra Betrieb der
ÖBB ein vernünftiges Verkehrsangebot geradezu sabotieren und damit auch den
Ministerauftrag unterlaufen, zeigt der Fahrplan 2010/11 - zahlreiche andere
Strecken könnten ebenso als Beispiel herangezogen werden
- für Pöchlarn - Kienberg-Gaming.
Zuerst lässt Infra Betrieb den Oberbau durch jahrelange Verwahrlosung
systematisch verkommen. Daraus resultieren immer mehr und längere
Langsamfahrstellen. Im Jahr 2006 waren 65 km im Netz der ÖBB als derartige
Langsamfahrstellen gekennzeichnet, 2010 werden es 350 km sein. Die
Fahrzeiten müssen daher verlängert werden. Auch wächst die Anfälligkeit für
Verspätungen,
weil sowohl planmässige wie ausserordentliche Kreuzungen sowie vorzeitiges
Wenden bei der meist bereits zurückgebauten Infrastruktur kaum noch möglich
sind. Die Reisenden reagieren entsprechend und flüchten in andere
Verkehrsangebote. Das Ergebnis sind leere Züge, die schliesslich das
Argument für Einstellungen liefern. Zwischen Pöchlarn und Kienberg werden im
kommenden Jahr wegen der Vielzahl von Langsamfahrstellen die Fahrzeiten um
fünf und mehr
Minuten verlängert. Als Folgen entsteht ein Fahrplanchaos! Durch die
erzwungenen Änderungen und Einschränkungen können vielfach die von der PV AG
geforderten Fahrplantrassen nicht mehr vergeben werden. Im konkreten Fall
zwischen Pöchlarn und Kienberg-Gaming können vier Zugpaare nicht mehr die
gesamte Strecke befahren. Sie müssen bereits in Neubruck wenden.
Besonders ärgerlich ist dabei, dass auch der Früh-Eilzug 7007 mit Durchlauf
bis in die Landeshauptstadt
davon betroffen ist.
Dies ist kein Einzelbeispiel, sondern ein wohldurchdachtes System
verschiedener Unternehmensbereiche der ÖBB, um ihre Einzelinteressen
verwirklichen zu können.
Dass darunter das Ansehen des Gesamtunternehmens ÖBB in der Öffentlichkeit
schwer leidet, ist diesen Managern egal. Wichtig scheint nur, dass man die
Einsparungsprämien kassieren kann. Und dieses System will die Frau BMVIT mit
ihrem Auftrag an die Unternehmensführung der ÖBB ändern? „Die Botschaft hör'
ich wohl,
allein mir fehlt der Glaube"!
(Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“ Nr. 1/2010)
|
|
Die Zukunft der Pressburgerbahn und der S7
Am 5. Februar 1914 wurde die normalspurige
elektrische Lokalbahn Wien – Pozsony / Pressburg / Bratislava, im Volksmund
„Pressburgerbahn" genannt, als Landesbahn in Betrieb genommen.
Dafür waren die bestehenden Strecken Klein Schwechat - Fischamend (-
Schwadorf - Götzendorf), eröffnet am 6. Februar 1884, Petronell -Deutsch
Altenburg, eröffnet am 2. Dezember 1886, und Deutsch Altenburg – Hainburg
Fbf, eröffnet am 1. November 1887, einbezogen worden.
Die Überlandstrecke von Gross Schwechat bis Kittsee/Köpcsöny, mit 15 kV - 16
2/3 Hz Wechselspannung betrieben, ging mit Lokomotivwechsel in eine nach
Wien Grossmarkthalle (600 V Gleichspannung) beziehungsweise nach Pressburg
zum Krönungshügelplatz beim Stadttheater (550 V Gleichspannung)
strassenbahnähnlich betriebene Stadtstrecke über. Die Bahn führte so bis ins
Zentrum beider Städte und endete jeweils in einer
Umkehrschleife.
Trotz des Kriegsausbruchs 1914 entwickelte sich insbesondere der
durchgehende Personenverkehr zwischen den beiden Grossstädten recht gut,
ging jedoch nach Kriegsende -
Pressburg gehörte nun zur Tschechoslowakei - stark zurück und wurde auf
täglich acht
Zugpaare beschränkt; schliesslich wurde ab 1936 der tschechoslowakische
Streckenteil auf Meterspur umgenagelt und der Betrieb von der Pressburger
Strassenbahn übernommen.
Der dadurch entstandene Umsteigevorgang hatte neben der unangenehmen
Zollkontrolle einen weiteren Fahrgastrückgang zur Folge und blieb bis
Oktober 1938 bestehen. Danach wurden die Fahrgäste mit Autobussen bis zur
damaligen Staatsgrenze an der Donau befördert.
Schliesslich entschied sich die DRB für eine Neutrassierung samt
Elektrifizierung mit 15 kV von Berg bis zur Einbindung in den Bahnhof
Engerau (heute Bratislava-Petržalka) als Einfädelung in die Strecken
Parndorf - Kittsee - Bratislava und Hegyeshalom - Rajka - Bratislava; die
Eröffnung fand am 10. Jänner 1941 statt.
Die zahlreichen in den Raum Schwechat,Fischamend und Engerau verlegten
Rüstungsbetriebe hatten eine starke Zunahme des Berufspendlerverkehrs zur
Folge, so dass ab 1. November 1943 drei zusätzliche Zugpaare im Dampfbetrieb
über die Strecke Wien Hauptzollamt - Wien Aspangbahnhof -Gross Schwechat und
elektrisch weiter nach
Engerau geführt werden mussten.
Bei den Kampfhandlungen 1945 war die Wiener Stadtstrecke unbenützbar
geworden; die gesprengte Stadionbrücke – eine Strassenbrücke über den
Donaukanal - blockierte die Gleisanlagen; Sicherungs‑ und
Fahrleitungsanlagen waren unbrauchbar. Nach Behebung der zahlreichen
Kriegsschäden auf der Überlandstrecke wurde der Verkehr über die
Ersatzstrecke Wien Hauptzollamt - Wien Aspangbf – Gross
Schwechat aufgenommen, ab 1. Juli 1946
wieder bis Wolfsthal verlängert und die nachfolgende Strecke bis zur
Staatsgrenze sowie die Wiener Stadtstrecke abgetragen.
Schliesslich wurde die Pressburgerbahn am 17. Jänner 1962 in die Wiener
Schnellbahn eingebunden, ab 1984 als S7 bezeichnet und von der Abzweigung
Wien Aspangbahnhof bis Gross Schwechat elektrifiziert.
Für den Ausbau des Schwechater Flughafens mit unterirdischem Bahnhof musste
die Strecke 1975 - 1977 mit zweigleisigem Planum neu trassiert und dabei von
der neu errichteten Brücke der Mannswörther Strasse bis zur Abzweigung nach
Götzendorf rund 5 km in Tieflage gebracht werden. Dabei wurde auch der
Bahnhof Gross Schwechat samt der OMV-Anschlussbahn umgestaltet.
Während sich die OMV alle Mühe gab und
ihre am östlichen Ende des Bahnhofs abzweigende
Anschlussbahn eben anlegen liess, genügte den ÖBB für ihre Strecke eine
nebenbahnmässige Trassierung für 60 km/h mit Steigungen von 10 bis 17 %o und
anschliessendem Gefälle bis zu 12 %o.
Schliesslich wurde der Neubau der Strecke vom Rennweg bis Gross Schwechat
1996
den ÖBB zu Planung und Bau übertragen und bis 2002 nach Richtlinien für
Hochleistungs-(HL-)strecken neu trassiert; sie wurde bis zum Flughafen
zweigleisig mit zwischen 60 und 120 km/h liegenden Geschwindigkeiten
mit zahlreichen Geschwindigkeitsbrüchen grosszügig ausgebaut, dabei aber die
fahrdynamischen Möglichkeiten sträflich vernachlässigt.
Auf der übrigen Strecke wurden einige Eisenbahnkreuzungen aufgelassen oder
technisch gesichert und die Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h teilweise bis
140 km/h angehoben. Echte Linienverbesserungen bei notwendigen Neulagen
unterblieben aber, so dass künftig noch weitere Fahrzeitverkürzungen zur
Hebung der Attraktivität möglich wären; eine Fahrt Praterstern - Wolfsthal
(61 km) dauerte 1974
90 Minuten, 2007 78 Minuten.
Die Trasse zwischen dem Gleisabschluss in Wolfsthal (Km 56.605) und der
Staatsgrenze (ehemaliger Km 60.885) ist noch weitgehend erhalten, wird aber
widerrechtlich als Parkplatz sowie als wilder Kompost- und Holzlagerplatz
benutzt. Nur am Ortsende von Wolfsthal sind etwa 200 m verbaut, die aber
umfahren werden könnten. Im Bereich der Staatsgrenze ist die Trasse an den
Fundamenten der umgeschnittenen Fahrleitungsmaste
zu erkennen; drei Unterführungen unter der neu errichteten Autobahn und
deren Zubringern wären erforderlich. In der Folge ist die Trasse
grösstenteils noch vorhanden, aber nicht verbaut; sie geht in eine nur zum
Teil noch benutzte desolate Anschlussbahn über und mündet schliesslich nach
einer schienengleichen Eisenbahnkreuzung in den Bahnhof Bratislava-Petr2alka
(ehemaliger
Km 63.896) ein.
Eine der weiteren Möglichkeiten wäre die Neutrassierung vor der Querung der
B9 in Wolfsthal parallel zu dieser entlang des teilweise schon bestehenden
und seit dem Hochwasser 2002 verbesserungsbedürftigen Hochwasserschutzdammes
bis zur Einmündung in die alte Trasse nach der Staatsgrenze; die Strecke
könnte auch südlich der B9 bleiben und im flachen Gelände nördlich des
Bahnhofes Kittsee bei der Staatsgrenze in die bestehende Strecke Kittsee -
Bratislava-Petržalka einbinden, um so die kostenaufwendige Querung der
Autobahn und ihrer
Zubringer zu vermeiden.
(Aus „EISENBAHN
Österreich“ Nr. 1/2008)
|
|
Debakel der
österreichischen
Verkehrspolitik
Mit dem im Februar 2003 gefassten
Beschluss der praktisch unbeschränkten Freigabe des
LKW-Transitverkehrs durch Österreich haben die Verkehrsgremien der EU in
Brüssel der Vorgehensweise der österreichischen Bundesregierung in dieser
Angelegenheit eine eindrucksvolle Absage erteilt. Gleichzeitig war
dies aber auch eine Bestätigung für das jämmerliche Versagen der
österreichischen Verkehrspolitik in den letzten Jahren, verursacht durch
eine die Frächterlobby und den LKW-Verkehr hemmungslos unterstützende
Politik der ÖVP und durch unfähige oder zumindest taktisch unklug
vorgehende Verkehrspolitiker der anderen Parteien. Falsche Prioritäten,
Taktieren, Lavieren, Tricksen und Nichtstun haben letztendlich zu diesem
Debakel geführt.
Im Vordergrund aller Verhandlungen
standen immer nur
der Transitverkehr, die Frage der so genannten Ökopunkte und der
Einsatz schadstoffarmer LKW. Keine Frage, dass der
LKW-Transitverkehr eingedämmt werden muss, allerdings beträgt er
am gesamten Güterverkehrsaufkommen der Strasse nur
13 Prozent. Von der Eindämmung der "restlichen" 87
Prozent des nationalen LKW-Verkehrs, der in noch viel stärkerem Masse
zum Ausufern des LKW-Verkehrs beitrug, wird wenig bis nicht
gesprochen. Auch in Sachen schadstoffarme LKW wurden eindeutig
falsche Wege beschnitten, die schließlich zur jetzigen
Entscheidung der EU maßgeblich beigetragen haben. Die angestrebte
Erneuerung des Frächter-Fuhrparks auf so genannte "schadstoffarme" LKW hätte
vielleicht zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes geführt, wenn diese
Umflottung im Verhältnis 1:1 erfolgt wäre. Die Aufhebung
jeglicher Limitierung beim Einsatz schadstoffarmer LKW trägt jedoch zur
massiven Zunahme der Fahrten mit solchen Fahrzeugen und damit nicht
zur Verminderung, sondern sogar zur Vermehrung des Schadstoffausstoßes bei,
denn auch "schadstoffarme" LKW in entsprechend hoher Stückzahl sind
keineswegs umweltfreundlich. Hinzu kommt nämlich noch, dass immer
nur über den "Schadstoffausstoß" (des Motors) gesprochen wird, von
anderen Umweltschäden durch den LKW-Verkehr, etwa Lärm, Staub,
Gummiabrieb und potentielle Erhöhung der Unfälle, wird überhaupt
nicht geredet.
Die immer wieder hochgespielte
Frage der
Ökopunkte und
des Einsatzes schadstoffarmer LKW im Transitverkehr ist allerdings
zweitrangig. An vorderster Stelle aller Überlegungen dürften keine
Randfragen stehen, sondern müssten das grundsätzliche Bestreben nach
einer zahlenmäßigen Beschränkung jeder Art von LKW und
wirkungsvolle Maßnahmen für eine Verkehrsumlenkung von
der Strasse auf die Schiene stehen. In diesem
Zusammenhang immer wieder vorgebrachte Argumente, dass die Schiene den
entstehenden Zusatzverkehr nicht bewältigen könnte, sind schlicht
falsch. Nur unter Nutzung der vorhandenen freien Kapazitäten und
ohne wesentliche Ausbaumaßnahmen könnten schon jetzt zwischen 10 und 20
Prozent des Straßenverkehrs auf die Schiene zurückverlagert werden.
Es muss dazu aber auch gesagt
werden, dass
für
eine derartige Verkehrsumlenkung
das Wollen sowohl
der
Verkehrspolitiker als
auch der Bahnen erforderlich wäre, denn es
ist durchaus kein Geheimnis, dass die ÖBB eine weitgehende
Liquitation des Verschubbetriebes anstreben, am liebsten nur noch
Ganzzüge führen möchten und alles andere als Interesse am
Anschlußbahn-Einzelwagenladungsverkehr zeigen.
Wie eine Verlagerung des
Verkehrs von der
Strasse auf die Schiene
möglich ist, zeigen
andere Staaten, etwa die Schweiz - und dies durchaus
erfolgreich. Mit dem Road Pricing, einer Art von
Bemautung des LKW-Schwerverkehrs, ist eine Verkehrsverlagerung möglich, wenn
man dieses System entsprechend wirkungsvoll anlegt.
Leider zeigt sich auch hierbei, dass in Österreich offensichtlich von
jenen, die dies in der Hand hätten, keine wirkungsvolle Verkehrsumlenkung
gewünscht ist. Die endlose, jämmerliche Geschichte der
Einführung des Road Pricing beweist dies eindrucksvoll.
Nach jahrelanger
Verzögerungstaktik und
endlosem Systemstreit soll nunmehr - angeblich ab 2004 - endlich auch in
Österreich eine Form des Road Pricing für LKW eingeführt werden, Das
erklärte Ziel bei der geplanten Bemautung des LKW-Verkehrs ist allerdings
ausschließlich die Geldbeschaffung für den weiteren Ausbau der Autobahnen.
Ein verkehrspolitischer Lenkungseffekt des Schwerverkehrs von der
Strasse zur Schiene wird dadurch kaum herbeigeführt und ist
angesichts der Gestaltung des Road Pricing in Österreich
offensichtlich auch gar nicht gewollt. Allein schon dadurch
unterscheidet sich Österreich wesentlich von anderen Ländern, etwa der
Schweiz, wo Road Pricing für LKW schon längst eingeführt ist,
aber ganz andere Zielsetzungen verfolgt.
Nach endlosem Anbieterstreit
entschieden sich die
österreichischen Politiker für ein italienisches System der Bemautung, das
auf Funkbasis arbeitet. Warum diese Wahl getroffen wurde, ist nicht
klar;- es gab nämlich noch andere Anbieter, etwa Siemens, mit
wesentlich moderneren Systemen. Tatsache ist, dass das Funksystem
zur Mauteinhebung eine Vielzahl großer örtlicher Bauvorhaben erfordert und
sich dennoch nur auf bestimmte Autobahnabschnitte beschränkt,
darüber hinaus nicht flächendeckend und noch dazu inkompatibel zu
anderen Systemen, etwa jenem in Deutschland, ist. Allein schon die
Tatsache, dass nicht einmal alle Autobahnen vollständig erfasst
werden, hätte dieses System ausschließen müssen. Vermutlich war aber
gerade das einer der Hauptgründe für die Systemwahl. Die politischen
Paten der Frächterlobby konnten die Einführung des Road Pricing zwar
jahrelang verzögern, letztendlich jedoch nicht verhindern, aber dafür
sorgen, dass es möglichst frächterfreundlich wurde. Das gewählte
System schützt nämlich die Frächterlobby auch bei politischen
Veränderungen oder einem Umdenken in dieser Angelegenheit durch
die technischen Parameter für alle Zeit vor einer allfälligen
Ausweitung des Road Pricing auf andere größere Bemautungsbereiche.
In Deutschland
wird ab August 2003 ebenfalls Road Pricing für LKW eingeführt,
das sich von jenem in Österreich grundsätzlich
unterscheidet. Das zum Einsatz kommende System Toll Collect
basiert auf einer Kombination von Mobilfunktechnik und GPS (Global
Positioning System). Dieses satellitengesteuerte System, das von einem
Konsortium aus Deutscher Telekom, Daimler-Chrysler und dem
französischen Autobahnbetreiber Cofiroute angeboten wird, ist eines
der weltweit modernsten und intelligentesten Systeme zur Einhebung von
Straßenmaut und rechnet kilometergenau ab. Gleichfalls
kilometergenau rechnet das satellitengesteuerte Road Pricing der Schweiz
ab. Diese Systeme bedürfen keiner teuren örtlichen Anlagen,
sondern rechnen jeden gebührenpflichtigen Abschnitt über ein am LKW
angebrachtes Ortungsgerät ab. Das deutsche Verkehrsministerium rechnet
mit jährlichen Einnahmen von 3,4 Milliarden Euro aus der LKW-Maut,
denen lediglich Kosten von 500 Millionen Euro für den Betrieb des
Systems gegenüberstehen. Wie in Österreich wird die Maut für
LKW ab 12 t Maut für
LKW ab 12 t (ab 3,5
Tonnen - Anm.d.Red.), abgestuft nach Achszahl und Schadstoffausstoß, eingehobenund wird - ebenfalls wie in Österreich, jedoch für einen wesentlich
größeren Wirkungsbereich - zwischen 15 und 22 Cent
(13 bis 27,3 Cent Anm.d.Red.)
betragen.
In Österreich
werden sowohl die Höhe der Maut (durchschnittlich
15 bis 22 Cent)
als auch der eingeschränkte Bemautungsbereich von Fachleuten als völlig
wirkungslos eingestuft, um einen Lenkungseffekt zu erreichen, und die
Befürchtung geäußert, dass seitens der LKW-Lobby die Kosten des Road
Pricing noch dazu durch (das ohnedies schon jetzt übliche und gesetzlich
geduldete) Überladen der LKW annulliert werden.
Wie
eine wirkungsvolle Bemautung aussehen könnte, zeigt die Schweiz: Hier
wird jeder zurückgelegte Kilometer eines LKW auf öffentlichen
Verkehrswegen (und nicht nur auf Autobahnen) bemautet, und die daraus
lukrierten Einnahmen werden nicht nur zum Ausbau der Strassen, sondern auch
für den Bahnausbau eingesetzt. Die Höhe dieser sogenannten
"Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe" bemisst sich nach den
gefahrenen Kilometern, dem höchstzulässigen Gesamtgewicht sowie nach den
Schadstoffwerten des Fahrzeuges. Die Abgabe beträgt etwa für einen 34-Tonnen-LKW
je nach Schadstoffausstoß zwischen 33 und 46 Cent pro Kilometer.
(Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“
Nr. 4/2003)
Anmerkung der Redaktion "Railway & Tram":
Ein gerechtes Mautsystem für den Straßen-Güterverkehr
kann nur Straßen-unabhängig sein. Es
muss flächendeckend alle Straßen
und Wege beinhalten. Nur auf Autobahnen und Schnellstraßen ein
Mautsystem einzuführen ist in jedem Fall falsch und ungerecht.
Denn dann werden manchen Fahrten eben über Bundes-, Landes- und
Gemeindestraßen geführt und neben der noch größeren unmittelbaren
Umweltbelastung in Wohn- und Erholungsgebieten, werden die höheren
Erhaltungskosten eben die Länder und Gemeinden belasten, ohne dass diese
Einnahmen aus dem Autobahn-Mautsystem erhalten.
Daher ist die einzig vernünftige Abrechnungsmethode
für ein gerechtes Mautsystem des Straßen-Güterverkehrs
ein
Mautstellen-unabhängiges System,
dass auf
allen Straßen und Wegen gilt. Dies ist auch das kostengünstigste in
Investition und Betrieb.
Das italienisch-österreichische System ist nur teuer
und bringt keine Kostenwahrheit. Es ist unserer Meinung nach ein
Alibi-System, welches weiter den Straßen-Güterverkehr bevorzugt und den
Schienenverkehr benachteiligt. Zum Schaden der Gemeinschaft und nur zum
Nutzen einzelner privater Frächter.
Es ist zu hoffen, dass die Europäische Union
ein Mautstellen-unabhängiges
System für alle Straßen und Wege (wie in der Schweiz) zwingend für die
gesamte Gemeinschaft vorschreibt, um endlich Kostenwahrheit für den
Güterverkehr zu erreichen.
Der
österreichische Steuerzahler wäre aber leider wieder einmal der, der die
Rechnung für die jetzige Fehlentscheidung zahlen müsste. |
|

Umfahrung
Österreichs wird ernst
All
jenen, die den Bau einer neuen leistungsfähigen Nord-Süd-Magistrate in
Österreich durch
ihre Blockade zum Bau des Semmering-Basistunnels bisher verhindert haben,
sollte endlich ein Licht aufgehen. Die Umfahrung Österreichs auf der Schiene nimmt konkrete
Formen an.
Am 16. Mai 2001 wurde
im Beisein
der Ministerpräsidenten von Ungarn (Orban)
und Slowenien (Drnovsek) die neue ungarisch-slowenische
Eisenbahnverbindung über den Grenzübergang
Hodos dem Betrieb übergeben.
Damit wurde die Lücke im
sogenannten Eisenbahnkorridor V Kiev-Triest geschlossen und eine neue,
unmittelbar an der österreichischen Ostgrenze vorbeiführende Nord - Süd-Verbindung
geschaffen. Die eingleisige
Strecke ist für eine Höchstgeschwindigkeit
von 160 km/h ausgelegt, wird aber derzeit nur mit 120 km/h befahren.
Eine Elektrifizierung ist in Aussicht genommen.
Seit dem Fahrplanwechsel werden zwei neue IC-Verbindungen Budapest
Laibach beziehungsweise Budapest - Venedig über diese Strecke geführt.
Die Grenzkontrolle erfolgt jeweils in der gemeinsamen Grenzstation
Hodos (Slowenien). Auf der
neuen Strecke fahren zwei Zugpaare
ab Szombathely über Körmend
und drei Zugpaare ab Zalaegerszeg grenzüberschreitend bis
Hodos. Weitere zwei Zugpaare
verkehren von Zalaegerszeg bis
Öriszentpeter. Der Verkehr auf dem ungarischen Teilstück bis Öriszentpeter
war schon im Dezember 2000 aufgenommen worden.
Der
Reiseverkehr stört die ÖBB sicher nicht,
anders allerdings der Güterverkehr!
Die Ungarischen Staatsbahnen (MAV) erwarten im ersten vollen Betriebsjahr zwei Millionen Tonnen Fracht und durch Werbung für den Transitverkehr aus Ost- und Nordeuropa zu den Adriahäfen eine Steigerung auf fünf Millionen Jahrestonnen.
Ungarn ist dabei vor allem am Verkehr zum slowenischen Adriahafen
Koper interessiert, über den insbesondere Getreide und Stahlprodukte und
in der Gegenrichtung Bauxit und
Soja transportiert werden sollen.
Von diesen fünf Millionen Jahrestonnen werden nicht alle Mengen
aus Transitverkehren stammen, die zuvor über Österreich gerollt sind, sicher aber eine größere Menge, deren Verlust die ÖBB schmerzen wird. Vor allem
jene Massensendungen, bei denen Preisdumping im Vordergrund steht und die
Transportqualität beziehungsweise der Zeitfaktor nur eine untergeordnete
Rolle spielen. Beim
Preisdumping der Oststaaten
werden die ÖBB solange nichts
mitzureden haben, solange die Transportkosten durch Österreich, etwa
durch den extrem teuren Semmering-Abschnitt, nicht wesentlich gesenkt werden können.
Und
in dieser Frage wurde das schaurige Politspektakel um den
Semmering-Basistunnel schon wieder um einen neuen Akt erweitert.
Am 12. Juni 2001 hat der niederösterreichische Landtag wieder
einmal einem naturschutzrechtlichen (?)
Bescheid zugestimmt, der
den Bau des Semmering-Basistunnels, wie
gehabt, ablehnt. Bedauerlich
ist nur, dass sich den bekannten
Tunnelverhinderern nunmehr auch die dem Projekt bisher immer
positiv gegenüber stehenden Sozialdemokraten aus unbekannten Gründen
angeschlossen haben. Der
Bauherr, die HL-AG, wird gegen
diesen Bescheid neuerlich beim
Obersten Gerichtshof Einspruch erheben, von dem sie bekanntlich schon
einmal Recht bekommen hat.
Als
Alternative zum Tunnel wurde von den hinsichtlich ihrer diesbezüglichen
fachlichen Qualifikation schon
weltweit belächelten niederösterreichischen Verkehrsexperten wieder
einmal der Ausbau der bestehenden Ghega-Bahn
zur "Hochleistungsbahn"
als "ökologisch bessere Lösung"
angeboten. Würde man ein
solches Vorhaben tatsächlich umsetzen, hätte dies statt zwei "Löchern"
in Gloggnitz und Mürzzuschlag das
Abtragen des halben Semmerings einschließlich
der Mehrzahl der Viadukte zur
Folge.
Diese
Planungen gehen jetzt aber offensichtlich auch schon einem Teil der
bisherigen Tunnelgegner zu weit und sie bemerken,
auf welch gefährlichem Terrain hier
politisch agiert wird.
Die Alliance of Nature, bisher vehement gegen den Tunnelbau, hat
nunmehr ebenso vehement gegen den Ausbau der bestehenden alten Semmeringstrecke protestiert.
Es scheint den dortigen Verantwortlichen nunmehr endlich zu dämmern,
dass sich die vorgeschlagene
Umgestaltung des Weltkulturerbes
Ghega-Bahn unter keinen Umständen
mit den Anforderungen des Denkmalschutzes
vereinbaren lässt. Es drängt
sich daher der Verdacht auf, dass dahinter eine neue Strategie steckt: Das
Tunnelvorhaben wird ex lege abgelehnt, der dafür angebotenen Alternative würde man ja gerne zustimmen, aber leider - die lässt bedauerlicherweise der Denkmalschutz und die UNESCO nicht zu! Damit
hätte man das Ziel erreicht -
es wird überhaupt keine neue Nord-Süd-Eisenbahn
gebaut.
(Alfred
Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“)

|
|
Verkehrspolitik und Verkehrsplanung
|
|
|
Verkehrsplanung ist Verkehrspolitik. Um die
offizielle Verkehrspolitik beurteilen zu können, muss man die offiziellen Standpunkte und
Planungen kennen.
|
|
Wir haben Ihnen nachfolgend einige interessante
Internet-Seiten (Links) ausgewählt, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst Ihre
Meinung zu bilden.
|
|
|
| Eisenbahnpolitik |
|
|
|
|
|
|
|
Stadtverkehrsplanung Wien |
|
|
|
|
Öffentliche Verkehrsplanung
in Niederösterreich |
|
|
|
Verkehrspolitik |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Verkehrsverbünde und Verkehrsbetriebe |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Hersteller für Schienenverkehrstechnik |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Wird laufend ergänzt ! |
|
|
 |
Kontaktinformation:
|
| Railway & Tramway
Society
|
E-Mail: info@railway-tram.org
|

|
|
___________________________________________________________________________________ |
|

___________________________________________________________________________________ |
Informationen über die vollständigste Sammlung eines einzelnen
Straßenbahnbetriebes:

Klicken Sie hier !
Ihre
Eisenbahn
& Tramway
-Filme
und Videos auf
Hier
klicken !
|
|